Wein der Woche mit Bernd Kreis (1)

2018 Jaspe, Vin de Pays des Alpilles, Domaine Hauvette
Ein komplexer Weißwein von Dominique Hauvette, einer verehrenswerten Winzerin. Er wächst in Les Baux de Provence, einem gesegneten Flecken Erde im Rhônedelta mit mediterranem Klima und dramatischer Landschaft. Wie in allen Weinen aus Dominiques Weinbergen, vermeint man auch hier die kräuterwürzige Luft der Provence zu riechen. Der Geschmack ist ungeheuer facettenreich und ausgeprägt mineralisch. Ein großer Weißer, der jetzt hervorragend schmeckt, sich aber über viele Jahre positiv entwickeln wird.

DEVO, Uncontrollable Urge (1978)
Die Jungs von DEVO haben erst einmal für großes Staunen gesorgt. Danach kam dann bei den meisten Leuten entweder Kopfschütteln, Gelächter oder, wie in meinem Fall, Bewunderung. Irgendwie wurden die immer in die Clown-Ecke gestellt, was ich nie verstanden habe. Das war schon noch Punk, aber mit einem riesen Schuss Avantgarde und großartiger Konzeptkunst.

Wein der Woche mit Bernd Kreis

Zu den Weinen der Woche im September/Oktober habe ich einen Soundtrack aus meiner Oberstufenzeit zusammengestellt.
Musik war schon seit meiner Jugend sehr wichtig für mich. Alles fing mit dem, in den siebziger Jahren obligatorischen, Radiorecorder an, den damals alle zum Aufnehmen der Lieblingsmusik aus dem Radio genutzt hatten und das herstellten, was heute Mixtape heißt. Damals war es DIE Todsünde für Radiomoderatoren, abzumoderieren bevor das Stück zu Ende war. Wenn es trotzdem mal einer gemacht hatte, gab es sofort Protestanrufe und Beschwerdebriefe an den Sender. Sowas hatte ja gleich zigtausende Aufnahmen ruiniert.
Als ich als totales Landei die Oberstufe in der nächst größeren Stadt, Gelnhausen, besuchte, öffneten sich mir ganz andere musikalische Horizonte. Das Städtchen hatte damals eine ziemlich große US-amerikanische Garnison. Da kam man ganz automatisch mit Soul und Funk in Berührung. Aber auch Südstaatenrock und Jazz. Natürlich war das auch noch die Zeit des Punk und der Avantgarde, die Hippiewelle war, zwar abklingend, aber auch noch irgendwie da. Das alles waren musikalische Zumutungen für meine Familie und für die übrigen Bewohner meines kleinen Spessartdorfes, denn mit dem ersten selbstverdienten Geld kam auch ziemlich flott eine Stereoanlage ins Haus, mit der ich in großzügiger Weise Dorfbeschallungen – wie meine Mutter zu sagen pflegte –  durchgeführt hatte.

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Wein der Woche mit Michael Paukner (4)

Calcium – Je T’ai Crue (1968)
Die Psychedelic Band Calcium, 1968 in Paris von dem frazösischen Jazz
Schlagzeuger Stepahne Vilar gegründet, war eigentlich zur richtigen Zeit am richtigen Ort, hatte die besten Kontakte zur Pariser Musik,Film und Kunstwelt und mit der damals schon recht bekannten Schauspielerin und Sängerin Zouzou ein leuchtendes Aushängeschild . Trotzdem veröffentlichte die Band nur eine einzige Single, die zudem noch, ohne Promotion und völligem Desinteresse des Labels von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurde. Eigentlich hatte man Material für eine ganze LP, dies wurde dann aber schnell aufgegeben und die Band zerfiel. Dank des Pariser Platten Labels Monster Melodies kann man sich diese wirklich tolle, voll entwickelten ,unglaublich musikalische und sehr psychedelischen Aufnahmen nun in ganzer Plattenlänge anhören und sich freuen, wie gut etwas sein kann, wenn alles zusammengeht, genau wie bei diesem herrlichen Chardonnay, da stimmt auch alles!

Bourgogne Côte d’Or Cuvée Antoine 2018, Domaine Claude et Catherine Maréchal
Wir lieben die Weine von Claude und Catherine Maréchal weil sie das klassische Burgund auf hervorragende Weise verkörpern und dazu noch wirklich preiswert sind. Ihr „kleiner“ Chardonnay, benannt nach dem Sohn Antoine, der sich gerade anschickt, das Weingut zu übernehmen, überzeugt auf ganzer Linie. Er ist ziemlich kräftig besitzt schöne Eleganz und erstaunliche Tiefe. Seine reiche Struktur macht ihn zum allerbesten Begleiter von Fisch und Geflügel mit cremigen Saucen.

Wein der Woche mit Michael Paukner (3)

Riesling Qualitätswein feinherb Vom Schiefer 2018, Weingut Ansgar Clüsserath
Feinherb ist die etwas elegantere Bezeichnung für halbtrocken. Inzwischen erlebt dieser klassische Moselriesling eine Renaissance. Zu Recht! Denn dies ist eine der schönsten Erfrischungen seit es Riesling gibt. Und er macht sogar bei Tisch eine gute Figur. Zum Beispiel ist er unschlagbar gut zum Graved Lachs mit Senf-Dill-Sauce und traumhaft zu scharfen Thai-Zubereitungen und Curries.

Antena – Achilles (1982)
Feinherb, da fällt mir unweigerlich die belgisch französische Elektro Pop Band Antena ein, die Anfang der 80er Jahre in ihrem Frühwerk kongenial den kalten, minimalen Sound der Synthie Industrial Punk Pioniere Suicide mit den warmen Klängen des Bossa Chansons kombinierten, und dabei einen sehr reizvoll diskrepanten Sound schufen. Vor allem an heißen Sommertagen funktioniert das hervorragend, genau wie der geniale Moselriesling hier, der einfach nur Spaß macht!!

Wein der Woche mit Michael Paukner (2)

Rou-rou-rouge Schwäbischer Landwein trocken 2018, Kreis
Dieser Cabernet Franc aus unserem eigenen Weinberg in Stuttgart-Degerloch wurde ohne zugesetzten Schwefel abgefüllt. Er bringt saftige Frucht an den Gaumen und besitzt einen geschmeidigen Nachhall. Weil er auch leicht gekühlt gut schmeckt, ist er absolut hochsommertauglich.

Curtis Amy / Dupree Bolton – Native Land (1963)
Nach dem ersten Schluck, leicht gekühlt, wie empfohlen, musste ich
sofort an ein Stück denken, welches ich in letzter Zeit öfters gehört habe, ‘Native Land’ , von der erstaunlichen West Coast Jazz LP Katanga! Die einzige Zusammenarbeit des Saxophonisten Curtis Amy und des Trompeters Dupree Bolton ist eine jener Platten, die einen vom ersten Ton an mitreißen und bis zum Schluss nicht loslassen. Könnte man daraus jetzt eine Analogie zum ersten Glas der Weinflasche stricken, denn diesen Wein vom schönen Stuttgarter Schimmelhüttenweg, möchte ich einfach auch immer weiter trinken, aber ich erzähle lieber noch ein bisschen zur Musik. Erschienen auf dem Pacific Jazz Label im Jahr 1963, ist die LP ein modales Meisterwerk, mit Wurzeln im Hard Bop, aber auch SoulJazz und Blues klingen an. Der hier fantastisch spielende Trompeter Bolton hat, wie in der ausführlichen Textbeilage dieser Tone Poet Pressung erzählt wird, traurigerweise die meiste Zeit seines Lebens in Gefängnissen verbracht, und ist nur überhaupt noch auf einer weiteren Aufnahme mit Art Farmer zu hören. Da die Tone Poet Vinyl Reissue Serie exzellent analog gemastert ist, und schon hier zu Hause fantastisch klingt, freue mich darauf, sie in Bernds neuer High Fidelity Bar auf seiner sagenumwobenen Anlage zu hören, und dazu trinke ich dann garantiert noch ein Glaserl vom rou-rou-rouge.

Wein der Woche mit Michael Paukner (1)

Le Petit Taureau Vin de France 2019
Ein langer, schwülheißer Tag im Stuttgarter Kessel geht endlich in
den Abend über, ein leichter Wind kommt auf, von weitem hört man
Donnergrollen. Der Moment, zu Speck und Käse mal wieder einen Rotwein aufzumachen, am besten so einen frischen, sympathischen wie den Petit Taureau, der laut mitgelieferter Information von einem luftigen, leicht kühlen Sehnsuchtsort im Süden Frankreichs stammt.

Doctor John – Black John The Conqueror (1971)
Aufgelegt habe ich mir dazu, eher passend zum Wetter als zum Wein, Dr. John’s – The Sun, Moon & Herbs aus dem Jahr 1971. Und während die ersten dicken Tropfen auf dem Fensterbrett landen, erzählt der 2019 verstorbene Musiker aus New Orleans im gleichnamigen Eröffnungsstück, die Sage von ‘Black John the Conqueror’, einem afrikanischen Prinzen, wohl mit magischen Kräften ausgestattet, der versklavt und nach Nordamerika verschleppt wurde, und dem dann in alten Überlieferungen viele wundersame Taten nachgeschrieben werden.

Damit sind Themen und Sound gesetzt. Schleppend ,psychedelisch und polyrhythmisch blubbernd geht es weiter. Die Platte ist eine zähe Melasse aus Blues, Cajun, Voodoo, Gospel, New Orleans Funk und einem großen Sumpfkrokodil, daß bewegungslos unter der Oberfläche lauert. Zudem klingt das Ganze auch sehr stoned.

Alles passend zum Wetter hier, inzwischen regnet es stärker, das Ganze ist aber eher ein Saunaaufguss. Wirklich helfen tut hier nur noch ein weiteres Glas des sehr belebenden Petit Taureaus.

Wein der Woche mit Michael Paukner

Die nächste Playlist zu den Weinen der Woche kommt von Michael Paukner. In der Stuttgarter Szene wird er liebevoll Pauki genannt. Wenn es un Musikgeschmack geht, vor allem bei Jazz und Soul, führt im Stuttgarter Kessel kein Weg an ihm vorbei. Der Vinylexperte berät und verkauft im Second Hand Records, einem für Vinylenthusiasten verhängnisvollen Ort, aus dem es wie bei Buñuels Würgeengel scheinbar kein Entrinnen gibt.

Wein der Woche mit Samúel Jon Samúelsson

Dão Tinto Reserva Abanico 2016, Casa da Passarella
Wer kraftvolle und zugleich finessenreiche Rotweine aus Portugal sucht, liegt bei Dão goldrichtig. Die Reserva wird aus Trauben alter Reben im gemischten Satz gekeltert. Das heißt, dass die Rebsorten im Weinberg bunt gemischt gepflanzt wurden, die Mischung also schon im Weinberg entsteht. Natürlich geht es hier, wie in Portugal fast immer üblich, nur um einheimische Sorten, von denen es dort über 400 gibt.

Fabiano Nascimento – Ewe (Danca dos Tempos 2015)
Since this whine is from Portugal i had to find something with portuguese roots and what better then something from Brasil? Brazil-born, L.A.-based guitarist Fabiano do Nascimento is deeply rooted in Afro-Brazilian jazz, folklore, bossanova and samba. Here is a favorite song of mine from his album Danca do Tempo from 2015

Wein der Woche mit Samúel Jon Samúelsson (3)

2020 Syrah Les Monestiers, IGP Collines Rhodaniennes, Domaine les Bruyères
Wrong time – wrong place. Das gilt auch für Weinberge. Les Monestiers liegt nämlich am südlichen Ufer der Isère und damit wenige Meter außerhalb der Grenzen der bekannten Appellation Crozes Hermitage.
Kleinklima, Boden, Rebsorte – alles dasselbe aber im falschen Département. Deswegen kann David Reynaud diese würzige Syrah maximal als Landwein verkaufen. Umso besser für kostenbewusste Weinfans, denn sie erhalten einen kleinen Crozes Hermitage aus handwerklicher Bio-Produktion zu einem äußerst attraktiven Preis.

Kondi Band – Yeah (2016)
Great for the bbq season
here is a fantastic band that i discovered when on my way to Sierra Leone a few years ago. Its a collaboration between Sierra Leonean kondi (thumb piano) player Sorie Kondi and US producer / DJ Chief Boima, who himself has Sierra Leonean roots. the song is Yeah from their album Belle Wahallah.